Eine von 86 freiwilligen Feuerwehren Hamburgs

Die Freiwillige Feuerwehr Niendorf im Jahre 1890 (ein Jahr nach der Gründung).

mannschaft1890

Die Wehrführer seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Niendorf von 1889

w1
Hinrich Maack
1889 – 1914
w2Hermann Seelig
1914 -1929
w3Wilhelm Münster
1929 – 1935
w4Reinhold Petersen
1935-1939
w5Alfred Köhncke
1945 – 1964
w6Erwin Jürs
1964 – 1972
w7Herbert Wähling
1972 – 1979
w8Wilhelm von Appen
1979 – 1986
w10Horst Moldenhauer
1986 – 1997
w11Gerd Timm
1997 – 2000
m20wfGünter Heyna
2000 – 2006
m10wfBernt Moldenhauer
2006 – 2008

Die Gründung der FF-Niendorf

Von der Handdruckspritze zum modernen Löschfahrzeug (1889-1989) Entstehung, Gründung bis in die Neuzeit aus alten Unterlagen und Erlebtem von Altwehrführer Wilhelm von Appen.

Niendorf war ein kleines idyllisches Bauerndorf am Rande des Ohe- und des Schippel-Moores mit vielen Waldungen. Etwa 1125 Einwohner lebten hier vorwiegend in Strohdachhäusern. Damals galt Niendorf auch als Ausflugsziel der Hamburger. Vor Gründung der FF-Niendorf bestand das Feuerlöschwesen im Dorf aus einer Brandwehr, zu der alle gesunden männlichen Einwohner zwischen 16 und 60 Jahren zwangsmäßig gehörten. Brandeinsätze wurden durch das Läuten der Kirchglocken alarmiert.

Die Hofbesitzer mussten vier Vorspannpferde für den Mannschaftswagen und die Feuerlöschhanddruckspritzen stellen. Beim Läuten der Kirchenglocken und später durch das Nebelhorn begann ein Wettrennen der Gespanne. Das erste Gespann bekam fünf Mark, das zweite Gespann drei Mark. Das war zu dieser Zeit viel Geld. Gelöscht wurde mit Feuereimern, die aus einem Löschteich oder Wasserführenden Gräben von Hand zu Hand bis zum Feuer weitergereicht wurden. Außerdem waren Feuerpatschen und Einreißhaken im Einsatz. Bei den vielen Strohdächern im Dorf konnte mit solchen Geräten nicht viel ausgerichtet werden.

Von größeren Brandkatastrophen ist uns nur wenig überliefert, es ist aber anzunehmen, dass recht oft unsere strohgedeckten Häuser dem Feuer zum Opfer fielen, denn von den Niendorfer Bauernhäusern und Katen sind nur wenige älteren Datums. Der größte bekannte Brand wütete am 14. Mai 1862 in unserem Heimatort. Er entstand in der Scheune des Hofes Harm Evers, griff dann, begünstigt durch die große Trockenheit und Wassermangel, schnell auf die nächstgelegenen Häuser über.

In kurzer Zeit bildeten die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Höfe von Evers, Sottorf, Timm, Behrmann, Münsters Gasthof und noch ein strohgedecktes Wohnhaus, das Geburtshaus des Dichters Joachim Mähl im Goßlerschen Park, ein gewaltiges Flammenmeer. An ein Retten der brennenden Häuser war nicht zu denken. Dagegen gelang es den Wehren, die in der Brandzone gelegene Bäckerei am Teberg zu erhalten. Der entstandene Schaden war beträchtlich: 15 Gebäude wurden bis auf den Grund zerstört. Sieben Kühe und drei Pferde bei Evers, eine Stute mit Fohlen bei Sottorf kamen im Feuer um, ebenfalls verbrannte die Niendorfer Spritze. Leider war auch der Verlust eines Menschenlebens, des Malermeisters Röttger, zu beklagen. Die Wehren der umliegenden Ortschaften eilten zu Hilfe, Hamburger Bürgermilitär sowie ein Retterkorps hielten die Ordnung aufrecht, aus Dankbarkeit für die Hilfe der Niendorfer Gespannhalter beim Brand von 1842.

In den achtziger Jahren war Führer der Brandwehr H. Struß, sein Stellvertreter H. Maack, Rohrführer war Peter Petersen. Ausgerüstet bezeichnenderweise mit Helm und einem Schafsfell.

1879 wurde eine neue Spritze beschafft, dazu 50 Meter Hanfschlauch. Sie wurde von acht Mann bedient. Für diese Spritze musste das Wasser noch aus Eimern in die Spritze gegossen werden. Es ist klar, dass die Brandwehr mit ihren wenig ausgebildeten Mannschaften und ihren mangelhaften Materialien keinen wirksamen Schutz für unsere Ortschaft bilden konnte, trotz des großen Schafsfell des Rohrführers. Daher entschlossen sich im Sommer des Jahres 1889 die Einwohner H. Maack, H. Seelig und Pantelmann, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Sofern die Gemeinde Mittel zur teilweisen Ausrüstung und Uniformierung bereitstellen würde. Wieder erwarten bewilligte die Gemeindevertretung sogar eine vollständige Uniformierung für 36 Mann.

mannschaft04Die Freiwillige Feuerwehr Niendorf im Jahre 1904.

Bevor jedoch die Gründung zur vollendeten Tatsachen wurde, wurde unser Ort wiederum von einem großen Brandunglück heimgesucht. Am 19. August 1889, nachts um 0:00 Uhr, schlug der Blitz in das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Timmschen Hofes ein, das sofort in hellen Flammen stand. Die Brandwehr musste sich darauf beschränken, die in der Nähe stehenden strohgedeckten Scheunen und Nachbarhäuser zu schützen, was auch mit Unterstützung der Lokstedter, Stellinger und Eidelstedter Wehren gelang. Das Brandobjekt selbst wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Dieser Vorfall war nun für die Niendorfer ein Ansporn, sofort die im Entstehen begriffene Niendorfer Freiwillige Feuerwehr zu organisieren. Die konstituierende Versammlung fand am 21. September 1889 statt.

Die Gründer der Wehr waren:

H. Behrmann,
W. Bindseil,
W. Cordes,
Cord Dreyer,
J. Giffey,
W. Grimm,
J. Holst,
H. Hinsch,
H. Hoyer,
H. Jürs,
A. Köhnecke,
H. Keller,
W. Keller,
F. Kraft,
H. Lapp,
W. Luther,

A Mehrens,
H. Maack,
E. Maahs,
W. Maahs,
W. Pantelmann,
C. Röttger,
A. Radde,
H. Seelig,
G. Steinhoff,
J. Steinhoff,
W. Steinhoff,
W. Schümann,
J. Schümann,
A. Struß,
P. Sturzel,
H. Tomfort,
G. Vohs,
H. Willmann

Außerdem traten 80 Einwohner als passive Mitglieder ein. Hauptmann wurde Hinrich Maack. Auf der Diele von Hofbesitzer Behrmann wurde geübt. Im Februar 1890 schloss sich die Wehr dem Verband der Freiwilligen Feuerwehren von Lokstedt, Stellingen, Langenfelde und Eidelstedt an. Auf dem 13. Verbandstag in Schleswig, am 6. Juli 1890, war Niendorf schon mit Hauptmann Maack und einem Mann vertreten. 1890 wurde eine zweite Spritze sowie eine weitere Uniform von der Gemeinde angeschafft. Von 1890 bis 1914 hatte die FF-Niendorf sogar eine eigene Blaskapelle. 1892 gehörten zum Kreis Pinneberg in Preußen folgende Freiwillige Feuerwehren:

Barmstedt, Blankenese, Eidelstedt, Elmshorn, Ellerbek, Klein Flottbek, Hainholz-Langeloh, Halstenbek,Lokstedt, Niendorf, Osdorf, Pinneberg, Quickborn, Rellingen, Seestermühe, Uetersen, Uetersen-Mooregge.

Am 4. Oktober 1904 -anläßlich des 15 jährigen Stiftungsfestes – übergab der Gemeindevorsteher Cordes der Freiwilligen Feuerwehre Niendorf den von der Gemeinde gestifteten Mannschafts- und Gerätewagen. Programmgemäß fand der Empfang der auswärtigen Wehren statt, welche sämtliche mit Blasmusik einrückten. Es erschienen die Wehren von Lokstedt, Langenfelde, Stellingen, Eidelstedt und Garstedt. Die Wehr wurde jetzt durch die Dampfsirene des Schmiedemeisters Struß alarmiert. Später dann, in den zwanziger Jahren, durch elektrische Sirenen.

Das Spritzenhaus befand sich zwischen Kirche und Pastorat, etwa dort, wo heute am Eingang des Kirchgartens der Warteraum liegt. Es hatte zwei Fahrzeugremisen und einen kleinen Abstellraum. 1909 beschaffte die Wehr eine Normaluniform aus eigenen Mitteln, die noch 1928 als Ausgehanzug diente. Aber auch die Uniform von 1889 bzw. 1890 wurde noch Jahre hindurch benutzt. Endlich – 1913 – wurde in Niendorf eine Wasserleitung verlegt. Dieses Wasserleitungsnetz hatte eine Länge von 10,7 km und wurde mit 106 Oberflurhydranten ausgestattet. Jetzt konnte das Wasser vom Lokstedter Wasserturm, mit genügend Druck versehen, im größten Teil des Ortes direkt aus der Leitung entnommen werden.

Im Jahre 1914 wurde Hermann Seelig neuer Feuerwehrhauptmann. Er hat das Ansehen der Wehr stark gefördert. Während des Ersten Weltkrieges übernahmen ganze acht Mann den Brandschutz. Gefallen sind Steigerführer E. Preis, Steiger K. Maack und Steiger W. Lenffer. In den ersten 40 Jahren ihres Bestehens hat die Wehr 75 mal Brände im Ort selbst bekämpft; davon zwölfmal Großfeuer; 92 mal eilten die Nachbarwehren zu Hilfe. Zu ihren Einsätzen bis in die Gegenwart hinein führten auch immer wieder Gras- und Torfbrände, vor allem im Ohemoorgebiet . Nicht weniger als 58 mal gehörte – bis 1928 – das Aufheben gefallener Pferde zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr, davon 32 mal allein während der harten Kriegsjahre 1916/17.

1929 feierte die Wehr ihr 40 jähriges Bestehen. Neun Tage nach diesem Fest verstarb der Oberbrandmeister Hermann Seelig, er war der Hauptmann der Großgemeinde Lokstedt gewesen. Neuer Feuerwehrhauptmann wurde jetzt Wilhelm Münster. Bei Bränden in der Nachbargemeinde war fast immer die Niendorfer Wehr als erste zur Stelle. Dieses Verdienst hat die Wehr ihren Kameraden Franz Schlüter und Karl Dahms mit ihrem Motorrad zu verdanken. Sie hatten eine Schlauchhaspel und ein Strahlrohr dabei. 1933 wurde die Freiwillige Feuerwehr Niendorf endlich automobilisiert. Später, bis 1935, übernahmen Rudolf Schümann und W. Pasburg dieses Amt. Bis 1935 war Wilhelm Münster Feuerwehrhauptmann, anschließend wurde Reinhold Petersen gewählt, der krankheitshalber während des 2. Weltkrieges ausschied. Von 1933 bis 1939 hatte die FF Niendorf einen Trommler und Pfeiferchor.

Das Groß-Hamburg-Gesetz vom 26.01.1937 brachte erneut eine bedeutungsvolle Veränderung für unseren Ort. Niendorf wurde ebenso wie Lokstedt, Schnelsen und manch anderer Ort am 1. April 1937 in das Hamburger Staatsgebiet einbezogen. Damit schied es aus dem Kreisverband Pinneberg und der Provinz Schleswig-Holstein aus. Die Freiwillige Feuerwehr wurde jetzt in eine Feuerlöschpolizei umorganisiert. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges musste ein Großteil der Wehr zum Wehrdienst; der kleine Teil wurde zum Sicherheits- und Hilfsdienst (Luftschutzpolizei) eingezogen. Unser Fahrzeug wurde ebenfalls eingezogen und kehrte aus den Kriegswirren nicht zurück. Zwei Löschgruppen mit zwei LF 8 mit Anhänger für eine Tragkraftspritze standen zum Brandschutz des Ortes im Feuerwehrhaus. 1943 – während der drei Bombennächte – rückten die Löschgruppen im Bombenhagel aus. Eine Gruppe führte Theo Harfst, auch mit dabei der 16 jährige Jugendfeuerwehrmann Wilhelm von Appen, zum Einsatz nach Schnelsen. Schuhhaus Mühlmann brennt! Auf der Friedrich-Ebert-Str. – Höhe Hadermannsweg (früher Schnelsener Weg) – explodierte eine Luftmine. Zum Glück wurde die Gruppe verschont. An der Brandstelle wurde die Tragkraftspritze neben dem Hydranten in Stellung gebracht. Kein Wasser in der Leitung! Durch ein benachbartes Strohdachhaus entstand eine unheimliche Hitze. Mit knapper Not konnte die Tragkraftspritze gerettet werden. Es wäre sonst die dritte verbrannte Spritze der FF-Niendorf gewesen. Auf Befehl von Gruppenführer Theo Harfst fuhr die Gruppe zum Löschteich beim alten Spritzenhaus der FF-Schnelsen, um von hier eine Wasserversorgung herzustellen. In einem gegenüberliegenden Haus. das durch Bomben zerstört worden war, waren Personen verschüttet. Theo Harfst rettete unter Einsatz seines Lebens eine Familie aus den Kellerräumen. Dafür erhielt er das Eiserne Kreuz (EK II). Die Einsätze der Feuerwehrmänner gingen jetzt Tag und Nacht – ohne Schlaf – weiter, denn auch Niendorf brannte. Die zwei Löschgruppen wurden in Barmbek, an der Alster und in Hoheluft eingesetzt.

Aus dem Krieg kehrten die Feuerwehrmänner W. Münster, H. Hacke, C. Dahms und J. Scharff nicht zurück. Nach dem Krieg 1945 wurde Alfred Köhncke Wehrführer der FF-Niendorf und dieser begann mit dem Wiederaufbau.

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Die Freiwillige Feuerwehr Niendorf im Jahre 1937.

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Das Niendorfer Feuerwehrhaus am Tibarg bis zum Jahr 1979

Die Feuerwache hat den Krieg unbeschadet überstanden. Die Wehr bekam nach kurzer Zeit ein altes übrig gebliebenes bombenbeschädigtes Löschfahrzeug LF 15. Mit eigenen Mitteln wurden die Schäden behoben und das Fahrzeug war wieder einsatzbereit.

Die Gruppenwehr (Sollstärke 18 Mann) bestand zunächst noch aus den überwiegend alten Mitgliedern: Alfred Köhncke, Theo Harfst, W. Möller, W. Remstedt, H. Carlsen, W. Corsmeier, H. Tarde, F. Bründel, G. Kempener. Aus der Kriegsgefangenschaft kamen zurück: Karl Moldenhauer, H. Borstel und H. Dittmer. Eingekleidet wurde die Wehr mit Blaueingefärbten Englischen Fliegerjacken. Diese Jacken hatten jedoch zwei gravierende Nachteile: 1. sie färbten die darunter getragene Kleidung blau 2. sie waren für den Einsatz viel zu kurz (der Rücken war immer frei). Überhaupt gab es in dieser schlechten Zeit große Probleme mit der Ausrüstung und zwar sowohl mit der feuertechnischen als auch der persönlichen Ausrüstung für die Sicherheit des einzelnen. So gab es für die gesamte Wehr nur zwei Paar Handschuhe und zwei Paar Stiefel.

Zu dieser Zeit stand das gesamte Hamburger Feuerlöschwesen unter Aufsicht eines alliierten Offiziers. Alarmiert wurde durch die alten Luftschutzsirenen. Leider wurden durch den gleichen Ton der Sirenen von Lokstedt, Niendorf und Schnelsen viele Wege zum Einsatz umsonst gemacht. Später wurde der Sirenenton geändert; Niendorf erhielt den langen Ton (Entwarnung). Im Jahre 1948 – am 18. Dezember – explodierte eine Fliegerbombe auf dem Grundstück des Altwahrenhändlers Asmus auf dem Tibarg 27 neben dem Haus der Familie Wulf. Drei Häuser wurden total zerstört, viele beschädigt. Glasscheiben gingen im weiten Umkreis zu Bruch. Es gab leider einen Toten und viele verletzte. Die Wehren von Niendorf, Lokstedt und Schnelsen sowie Zug 4 und 5 der Berufsfeuerwehr waren im Einsatz; ferner die Krankentransportabteilung und das Rote Kreuz. 1948 fand unsere beliebte und weit über unseren Ort hinaus bekannte Feuerwehrmaskerade und der Feuerwehrball zum ersten Mal nach dem Kriege wieder statt.

Die Sieger im Schnelligkeitswetbewerb der Freiwillige Feuerwehren Hamburg im Jahre 1953.

Im Jahre 1953 belegte die Niendorfer Löschgruppe mit den verhältnismäßig alten Kameraden im Schnelligkeitswettbewerb in der Endausscheidung von Hamburg in Poppenbüttel den ersten Platz und erhielten die GOLDENE PLAKETTE. Mit dabei waren: – Gruppenführer und stellvertr. Wehrführer Theo Harfst, 49 Jahre – Maschinist R. Schümann, 52 Jahre – Melder Willi Korsmeier, 51 Jahre – Angriffstruppführer H. Schümann, 40 Jahre – Angriffstruppmann Walter Remstedt, 42 Jahre – Wassertruppführer W. von Appen, 26 Jahre – Wassertruppmann H. Wegerich, 24 Jahre – Schlauchtruppführer G. Hoppe, 25 Jahre – Schlauchtruppmann K. Moldenhauer, 46 Jahre

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Der Flugzeugabsturz von Hasloh 1971

Im Jahre 1964 schied Wehrführer Alfred Köhncke aus – er wurde Bereichsführer von – Stellingen – Eidelstedt – Schnelsen – Niendorf – Lokstedt – Poppenbüttel – Hummelsbüttel. Als neuer Wehrführer wurde Erwin Jürs gewählt. Im Jahre 1968 hat die Wehr auch die Aufgaben des zivilen Bevölkerungsschutzes übernommen. Die Wehrstärke wurde von 18 auf jetzt 35 Mann erhöht. Sie wurde dadurch eine Zugwehr. Die Fachrichtung war jetzt Brandschutz, Bergungs- und Sanitätswesen. Im Jahre 1970 übernahm Herbert Wähling, stellvertretender Wehrführer, die erste im neuen Bereich (Stellingen, Eidelstedt, Schnelsen, Niendorf, Lokstedt und Groß-Borstel) stattfindende Feuerwehrmannanwärter-Ausbildung. Diese Ausbildung wurde von der Berufsfeuerwehr auf die FF übertragen. Von 1964 bis 1972 hatte die Wehr etwa 50 Einsätze pro Jahr. Am 6. September 1971 ereignete sich ein Flugzeugabsturz in Hasloh, Krs. Pinneberg. Eine zweistrahlige BAC 500 Rolls-Royce-Jet von Pan-International musste nach dem Start in Fuhlsbüttel eine Notlandung auf der A7 versuchen. Die Maschine geriet auf die Gegenfahrbahn des fließenden Verkehrs. Glücklicherweise kam es hierbei zu keinem Zusammenstoß mit Kraftfahrzeugen. An einer Brücke wurde das Flugzeug in zwei Teile zerrissen, der Rupf ging in Flammen auf. Die FF-Niendorf war als erste Hamburger Feuerwehr an der Unglücksstelle und leitete die Brandbekämpfung ein. Von den 119 Insassen des Flugzeuges überlebten 96. Dieser Einsatz gehörte zu den schwersten der Feuerwehrgeschichte!

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Die Waldbrandkatastrophe 1975

Im Jahre 1972 schied Erwin Jürs als Wehrführer aus und ging in die Reserveabteilung. Neuer gewählter Wehrführer wurde der stellvertretende Wehrführer Herbert Wähling. Ab 1968 war H. Wähling auch Bereitschaftsführer des Katastrophenschutzes. Die FF-Niendorf hatte damals folgenden Fahrzeugbestand: -1 kommunales Löschfahrzeug – LF 16 VTS – Pumpenleistung 1600 L/Min. -1 Bundestanklöschfahrzeug – TLF 8-1 Mannschaftsgerätekraftwagen vom Bund -1 Großraumkrankenwagen vom Bund (die Bundesfahrzeuge waren bereits 10 Jahre alt). Bei einer Wachbegehung im Oktober 1972 mit Innensenator Ruhnau und der Berufsfeuerwehr wurde man sich darüber klar: Niendorf braucht ein neues Feuerwehrhaus. Es gab im Gebäude keine sanitären Einrichtungen, keine Heizung, keine Unterrichtsräume. Das Gebäude befand sich in einem miserablen Zustand, aber Geld war nicht vorhanden. Endlich wurde das FF-Haus 1973 – unserem Wünschen entsprechend – vollkommen neu renoviert. Am 18. Mai 1974 in Sasel wurde der Internationale Schnelligkeitswettbewerb der Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs ausgetragen. Die Niendorfer Löschgruppe belegte den 2. Platz und erhielt die SILBERNE PLAKETTE. Zu dieser Gruppe gehörten: – Gruppenführer und stellvertretender Wehrführer Wilhelm von Appen – Maschinist Peter von Ahnen – Melder Gerd Münch – Angriffstruppführer Günter Heyna – Angriffstruppmann Wolfgang Muxfeldt – Wassertruppführer Kurt Wille – Wassertruppmann Jürgen Köhn – Schlauchtruppführer Herwich Nolte – Schlauchtruppmann Gerd Timm Im August 1975 war die Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide. Acht Tage wurde unser Tanklöschfahrzeug TLF 8 eingesetzt.
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Durch den Einsatz von Bussen der Bundeswehr und der Berufsfeuerwehr wurden die Männer der FF-Niendorf ausgetauscht. Am ersten Einsatztag waren unsere Kameraden Herwich Nolte und Dieter Kleemann vom Feuer eingeschlossen und in Lebensgefahr. Als Anerkennung für ihre Einsätze erhielten folgende Kameraden eine Gedenkmedaille vom niedersächsischen Landesministerium verliehen:
– Herwich Nolte – Dieter Kleemann – Jürgen Kleemann
– Herbert Wähling – Horst Moldenhauer – Günter Heyna
– Rolf Koritz – Jürgen Köhncke – Gerd Timm
– Uwe Hinrichs – Holger Heidel – Frank Bockhold

Herbert Wähling gibt im Sommer 1979 auf eigenen Wunsch das Amt des Wehrführers auf und geht in die Ehrenabteilung. Neuer gewählter Wehrführer wird im gleichen Jahr der stellvertretende Wehrführer Wilhelm von Appen. Durch den Neubau der U-Bahn muß das Feuerwehrhaus am Tibarg aufgegeben werden. Als Ersatz wurde für rund 1,5 Millionen DM am Fuhlsbütteler Weg 5 eine neue große Typenwache erstellt. Die Finanzierung erfolgte durch die Hamburger Hochbahn. Die Einweihung nahmen am 29. Juni 1979 der Innensenator Werner Staak, der leitende Branddirektor Maximilian Puchner und unser Landesbereichsführer Rolf Glave vor. Gleichzeitig wurde auch ein neues Löschfahrzeug in den Dienst gestellt. Im Jahre 1980 konnte die FF-Niendorf das Grundstück hinter dem Feuerwehrhaus von der Liegenschaft zusätzlich anmieten. Durch die Tatkraft aller Kameraden wurde hier – in Hamburg wohl einmalig – ein Freizeitplatz zum Grillen mit Gartenpavillon geschaffen und auf den Namen „FLORIAN-RANCH“ getauft. Zur Einweihung im Sommer kamen auf Einladung des Wehrführers auch die Kameraden der FF-Garstedt mit einer Starken Abordnung unter der Führung des Ortswehrführers Karl Schumacher. Für die Musik sorgte der Musikzug Garstedt – Leitung: Günter Jörn. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Jahre zwischen den Kameraden der FF und deren Ehefrauen eine herzliche Freundschaft mit gegenseitigen Einladungen. Aus älteren Unterlagen von 1904 ist ebenfalls ersichtlich, dass eine kameradschaftliche Verbindung beider Wehren schon zu damaliger Zeit bestanden hat.

Der Hamburger Feuerwehr Kasper von Jürgen Sander

Bei „Haus der offenen Tür“ im Juni 1982 – wurde erstmalig der Hamburger Feuerwehr Kasper vorgestellt. Der Gründer dieser Idee war Kamerad Jürgen Sander. Er schrieb bisher 24 Theaterstücke für den Hamburger Feuerwehr Kasper. Seine ersten Mitspieler waren sein Sohn Nicolas, Ernst J. Wulf mit Sohn Mike sowie Arnold Jagomast. Zur Crew gehören heute noch Jürgen Sander mit Sohn und Arnold Jagomast. Diese Puppen-Theater wurde mit großem Erfolg in Norddeutschland vorgeführt und erhielt von der Berufsfeuerwehr Hamburg eine schriftliche Vollmacht, dass dieses Theater betrieben werden darf. Bisher waren ca. 40.000 Zuschauer dabei. Im Juni 1982, anlässlich zum Haus der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Niendorf, wurde der Hamburger Feuerwehr Kasper geboren. Die Idee schwebte dem Gründer schon länger durch den Kopf, doch dann schnappte er sich seine damals noch ziemlich jungen Söhne, schrieb einen Text, nahm sich die Stereo-Anlage von zu Hause mit, zimmerte sich eine kleine Bude zusammen und hatte an diesem Tag seine Sternstunde! Er durfte erst aufhören zu spielen, als die Veranstaltung zu Ende war! Geplant war ein Auftritt. Gespielt wurde viermal an dem Nachmittag! Die Kinder waren begeistert, denn gerade die Kinder sind an so einem Tag bei der Feuerwehr auch gerne gesehen, könnten sie doch eines Tages fähige, tolle Kumpel von uns werden.

Wetten, dass...?!

Am 28. Mai 1983 – zum Tag der offenen Tür – wurde ein Tanklöschfahrzeug TLF 8 ohne Wasser im Tank,vor dem Ortsamt Lokstedt, Garstedter Weg, auf zwei Halbliterglaskrüge gestellt. Dieser Rekordversuch wurde auch in das GUINNESS-Buch der Rekorde eingetragen.Angeregt durch die Frank-Elstner-Sendung „WETTEN, DASS…?“ wurde dieser Rekordversuch durch unsere Kameraden: – Horst Moldenhauer, stellvertretender Wehrführer – Gerd Timm – Günter Heyna – Helmut Harfst – Bernt Moldenhauer ausgeführt.
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Damals wie heute sind die Mitglieder der FF gern gesehene Gäste und Helfer bei lokalen Veranstaltungenwie Laternenümzügen, beim Osterfeuer, der Niendorfer Heimatwoche und dem Stadtteilfest „Niendorf Markt“.Unsere ständigen Vertreter bei solchen Veranstaltungen sind Horst Moldenhauer mit seinem Sohn Bernt.Seit 1986 ist auch Herwich Nolte mit dabei. Auch sportlich sind unsere Kameraden immer mit dabei; am 15. Januar 1986 erhielten das Deutsche Sportabzeichen: – Wilhelm von Appen – Horst Moldenhauer – Jürgen Köhncke – Holger Heidel – Arnod Jagomast – Wilfried DettmannIn Nach 44 Jahren, fünf Monaten und neun Tagen scheidet Wehrführer Wilhelm von Appen 1986 mit 60 Jahren in einer Feierstunde aus der FF-Niendorf aus und wird in die Ehrenabteilung übernommen. Neuer gewählter Wehrführer wird Horst Moldenhauer, stellvertr. Wehrführer Gerd Timm und neuer Bergungszugführer Herwich Nolte. Schon lange wurde in der FF über eine Aufnahme von passiven Mitgliedern gesprochen. 1987 war es im August endlich soweit. Es wurde ein Freundeskreis der FF gegründet mit eigener Satzung. Die Mitgliederzahl wurde begrenzt und darf nicht mehr als die Anzahl der aktiven FF-Männer betragen. 1988 hatte die Freiwillige Feuerwehr 106 Einsätze zu Bränden und Hilfsleistungen. Seit 1987 sind wir werktags auch für Tageseinsätze in Lokstedt zuständig. Von den Einsätzen 1988 muss besonders der Einsatz erwähnt werden, der sich am 25. April 1988 um 23:00 Uhr in einem Wohnhaus am Weningeroder Weg ereignete. Es brannte im Dachgeschoß. Ein achtjähriges Mädchen befand sich noch in einem Zimmer. Unter Einsatz ihres Lebens konnten die Feuerwehrmänner Nikolas Sander, Bernt Moldenhauer und Arnold Jagomast das Mädchen mit schweren Verbrennungen aus dem Haus retten. Hierfür wurden diese drei Kameraden am 5. März 1989 auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Das 100jährige Bestehen beweist, wie Kameradschaftsgeist und der gemeinsame Wille zum Helfen eine Gemeinschaft über Generationen zusammenhalten kann. Viel Freizeit muss von den Feuerwehrmännern geopfert werden, ohne Verständnis der Familien kann diese ehrenamtliche Tätigkeit nicht möglich sein.